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Bild Autor: Thema: Zweimal Hexenverbrennung aber völlig verschiedene Themen!
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icon1   Zweimal Hexenverbrennung aber völlig verschiedene Themen! Datum: 30.06.2006 , 01:29

Interessant, wie die Psyche sich ihre Lösungsräume aussucht, wenn man ihr die dafür erforderliche Freiheit gibt.

Der eine Fall vor ein paar Jahren, war ein Student, der darüber klagte, dass er lieber Tennis spielen ging, anstatt für sein BWL-Studium zu lernen. Dementsprechend schlecht waren seine bisher erzielten Noten - also auch schon in der Schule. Nun, Lernunlust scheint leicht nachvollziehbar zu sein und man könnte nach ein paar Motivatoren suchen, wie bspw. Geld, soziale Anerkennung, berufliche Chancen usw.. Aber das hatte er und sein Umfeld alles schon ausgereizt. Es war wirkungslos.

Woran also hing er? Nun, es ging ihm insgesamt recht gut, wenn da nicht das schlechte Gewissen etwas die Stimmung eintrübte. Also musste da etwas sein, was ihm ein starkes Argument gegen das Lernen lieferte. Und das war ein brennendes Gefühl in der Brust, kaum wahrnehmbar zwar - aber eindeutig in Verbindung mit Lernen. Er entschied unbewusst und blitzschnell, dass Spielen wesentlich mehr Lebensqualität versprach, als ein sich ausbreitendes Brennen. Das war es also: Eine ungünstige Verbindung des Begriffs Lernen mit einem schlechten Gefühl.

Eine auslösende Erfahrung ließ sich nicht finden bis sich seine Psyche eine konstruierte: In seiner Vorstellung schaute er einer Hexenverbrennung zu und war der Überzeugung, dass sie dafür verbrannt wurde, weil sie zu viel wusste. Für ihn war also Lernen lebensgefährlich! Und, er hatte keine Ahnung, dass er davon völlig überzeugt war. Das muss man sich richtig klar machen! Das lief einfach unbewusst automatisch ab und er erlebte nur, dass er sich sehr schnell gegen das Lernen entschied, weil das Spielen schöner zu werden versprach. Bis zu dieser Erkenntnis war locker eine Stunde verstrichen. Während der folgenden 2,5 Stunden dachte er sehr intensiv darüber nach, was alle Beteiligten an dem Ort der Verbrennung lernen mussten, um die sogenannte Hexe nicht mehr als solche verbrennen zu müssen, sondern im Gegenteil sie als Gelehrte verehren zu können. Danach formulierte er die Erkenntnis, dass Wissen zu Macht und Ehre verhilft, was sich als angenehme Ausdehnung im Brustkorb anfühlte - also kein Brennen mehr! Problem gelöst, die Spielerei hatte ein abruptes Ende gefunden.

Nun kürzlich eine Studentin. Ihre Klage: sich unbehaglich zu fühlen, wenn andere Menschen sich ihr annäherten - was sie besonders ärgerlich fand, da sie ja Beziehungen suchte! Die Suche nach einem auslösenden Ereignis verlief im Sande. Schließlich tauchte in ihrer Vorstellung eine Hexenverbrennung auf, nur diesmal war sie die Hexe! Nach dem Grund für ihre Hinrichtung befragt, kam sofort die Überzeugung, dass sie aus ihrem engsten Umfeld verraten worden war, was ihr auch völlig normal erschien (!). Daraus ergab sich für sie die Formel, je enger die Beziehung, desto mehr muss man misstrauen! Vertrauen zu Menschen ist lebensgefährlich!

Nun war es klar, womit wir es zu tun hatten. Es ging nicht um Wissen sondern um Vertrauen.
Es dauerte dann über 3 Stunden, bis die Hexenverbrennung aufgelöst werden konnte, die Inquisitoren von der inzwischen überzeugten Menge zum Teufel gejagt waren und sie befreit und aufgeklärt miteinander umgehen konnten und sie schließlich zu dem Schluss kommen konnte, dass, wenn sie sich die Mühe macht, die Menschen in ihrer Umgebung aufzuklären, dass diese dann sich hinter sie stellen und sie ihnen deshalb vertrauen könne. Unabhängig davon, ob dies für alle Menschen eine gute Vorgehensweise ist, war sie für sie die richtige Möglichkeit, Vertrauen also - vorsichtig zwar aber doch mit gutem Gefühl - Beziehungen aufbauen zu können, ohne sich bedroht zu fühlen.

Interessant, nicht wahr, wie sich die Seele Lösungsräume für ihre hartnäckigen Probleme schaffen kann und welche elementaren Überzeugungen unser Entscheidungsverhalten steuern, von denen man überhaupt nichts ahnt!

Mit herzlichen Grüßen vom Coach!


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